#b0710

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Da gerade allerlei Halb u Unwahrheiten kursieren, hier was ich bei der Palästina-Demo am #Südstern #b0710 wahrgenommen habe: Die Polizei Berlin ist nicht erst nach Steinwürfen oder Versammlungsende gewaltsam vorgegangen, sondern viel früher, mehrmals und ohne ersichtlichen Grund. Gegen 17:50 ist erstmals eine große Gruppen Polizisten ohne Rücksicht auf Umstehende in die Menge gestürmt und hat eine oder mehrere Personen in Gewahrsam genommen. Möglicherweise geschah das in Reaktion auf "from the river to the sea"-Rufe (die gab es). Aber selbst dann erscheint mir die Gewaltanwendung gegenüber dutzenden unbeteiligten Menschen sehr unverhältnismäßig. Solche Zugriffe gab es über die nächsten zwei Stunden mehrfach. In Reaktion auf solche Zugriffe und im Rahmen der daraus entstehenden Tumulte wurde die zuvor friedliche Stimmung auf Seiten der Kundgebung aggressiver. Einzelne Demonstranten warfen Gegenstände Richtung Polizei. Ich habe in drei Stunden vielleicht fünf oder sechs Plastikflaschen und Becher fliegen sehen. Steine habe ich keine gesehen. An zwei Seiten der Kundgebung haben Demonstranten Ketten gebildet und sich untergehakt – mutmaßlich um Zugriffe zu verhindern. Die Polizei hat gestoßen und geschlagen, Demonstranten haben gedrückt. Die Polizei setzte mehrmals Pfefferspray ein. Das traf auch viele Menschen, die nicht an den Auseinandersetzungen beteiligt waren. Ab ca. 19:40 (ungefähr, hab nicht auf die Uhr geguckt) hat die Polizei mehrmals per Lautsprecher informiert, dass die Versammlungsleiterin die Kundgebung für beendet erklärt hat und die Demonstranten aufgefordert, die Kreuzung zu verlassen. Manche sind dem nachgekommen, viele nicht. Ca. 19:55 hat die Polizei angefangen, Kreuzung und Platz zu räumen. Jetzt kam es seitens der Polizei zu massiver und aus meiner Sicht völlig unverhältnismäßigen Gewaltanwendung. Das Vorrücken der Polizei erfolgte so schnell und rücksichtlos, dass viele Demonstranten gar nicht die Chance hatten, rechtzeitig zurückzuweichen. Durch Polizisten gestoßen oder beim Versuch des Zurückweichens fielen viele Demonstranten über Fahrradständer, Blumenkübel, Café-Stühle oder andere am Boden liegende Demonstranten. Einmal sah ich, wie ein Polizist einem Demonstranten mit der Faust ins Gesicht schlug. In einer anderen Situation schlug ein Demonstrant eine Fahnenstange in Richtung eines Polizisten, traf aber nicht. Mehrmals rissen Polizisten Demonstranten zu Boden. Die Situation war oft sehr chaotisch. Gruppen von Polizisten kamen von unterschiedlichen Seiten, mal stießen sie Demonstranten zurück, dann ließen sie wieder welche durch. Zeitweise schien vielen Demonstranten unklar, wohin sie eigentlich gehen sollen. Wer versuchte vor den Polzisten zurückzuweichen, die aus der einen Richtung kamen, lief oft jenen aus der anderen Richtung in die Arme. Alle es in allem hatte ich den Eindruck, dass die Polizei von Beginn an sehr auf Eskalation aus war. Ich war bei dutzenden Demonstrationen mit sehr viel mehr Aggression seitens der Demonstranten, auf die die Polizei (oft erfolgreich) deeskalierend und zurückhaltend reagierte, Teilnehmern viel mehr Zeit ließ, die Versammlung aufzulösen und im Fall einer Räumung sehr viel rücksichtsvoller agierte. Bei der Palästina-Demo am Südstern führten (für Demo-Verhältnisse) kleine Regelverstöße schnell zu großer Gewaltanwendung. Dass die Polizei wegen Rufen sofort gewaltsam die Demo stürmt, Leute in Gewahrsam nimmt und dabei dutzende Umstehende in Mitleidenschaft zieht, kenne ich eigentlich nur von Palästina-Demos. Die aggressive Stimmung, die sich bei vielen Demonstranten breit machte, entstand in Reaktion auf die Gewalt der Polizei, nicht andersherum. Greta Thunberg war wirklich da.

Fabian Goldmann

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