#jayriddle

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Wenn ich meine aktuellen, kritisierten Aussagen nüchtern betrachte, muss ich mir kommunikative Fehler eingestehen: Mein Tweet, in dem ich #JayRiddle vorwarf, „doppelt und dreifach“ das zu tun, was den Tätern vorgeworfen wird, war eine unzulässige Gleichsetzung. Zu sagen, es ginge „schon lange nicht mehr um Aufklärung“, war zu absolut. Es lag nie in meiner Absicht, das Fehlverhalten von damals zu relativieren. Das tiefe, jahrelange Trauma von #AnniTheDuck ist eine psychische Realität, steht völlig außer Frage und bleibt unantastbar. Doch genau hier setzt die eigentliche Dynamik an, bei der meine Tweets nur ein Fallbeispiel sind. Der Kommerz ist dabei eine Randerscheinung. Das eigentliche Problem ist die gezielte Ausgrenzung jeder kritischen Gegenstimme. Der beigefügte Clip dokumentiert, wie dieses Mundtot-Machen funktioniert, sobald man den hochemotionalen Graubereich betritt: 1. Die Instrumentalisierung des Schmerzes: Anni sprach gestern emotional über meine Posts. Ihr Schmerz ist absolut real. Doch das System um sie herum nutzt "fehlende Empathie" unbewusst als moralische Barriere, die jede sachliche und mMn notwendige Kritik im Keim erstickt. 2. Die Entmenschlichung von Kritikern: KuchenTV stellt öffentlich die rhetorische Frage in den Raum, ob eine „geistige Behinderung“ vorliegt. Diese Pathologisierung demontiert die Zurechnungsfähigkeit einer Person, um sie für den darauffolgenden Shit-Storm freizugeben. 3. Die haltlose Diffamierung: Ein weiterer Streamer, der zwar weniger relevant, aber gut vernetzt ist und regelmäßig von u.a. KuchenTV geraidet wird, unterstellt reflexartig „Lügen“. In einer polarisierten Masse reicht der bloße Verdacht der Abweichung für ein bleibendes Stigma. Hier schließt sich der Kreis zu 2024: Die Mechanismen der kollektiven Hetze sind dieselben geblieben. Wer nicht zu 100 % applaudiert, wird isoliert und sozial delegitimiert. Das betrifft tagtäglich viele kleine Gegenstimmen, die sich aus berechtigter Angst vor der Reichweite großer Creator gar nicht erst trauen, den Mund aufzumachen. Wenn wir als Netzkultur Hasskampagnen nur dann verurteilen, wenn sie die „Falschen“ treffen, aber dieselben Methoden der Ausgrenzung zelebrieren, sobald sie unter dem Deckmantel der Gerechtigkeit gegen Kritiker eingesetzt werden, haben wir nichts gelernt. Auch wenn die Gründe unterschiedlich sind, auch wenn der moralische Background verständlich ist, es ist und bleibt dasselbe Muster, das sich wiederholt. Ich hoffe, ich habe mich nun verständlicher ausgedrückt.

ANNA LÜSE

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