
Jan A. Karon
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»BASTARDMODERNE«: https://t.co/Vp03zCFI7q
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Ich würde mich wahnsinnig gerne über Danger Dan aufregen und das alles furchtbar schlimm finden, wie so etwas denn sein könne, »das ist ja Linksextremismus-Glorifizierung in der deutschen Popkultur und auch noch beim ZDF!!«, herrjemine, aber ich kann leider nicht. Ich muss, fünf Jahre nach »Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt«, lachen. Das Lustigste an diesem Danger Dan-Skandal und seinem neuen Lied ist die Tatsache, dass er in seiner komplett kalkulierten Glorifizierung von Linksextremismus auf absurde Weise ein bundesrepublikanisches Mitläufertum abbildet. Da sitzt ein von GEZ-Geldern gepampertes und von Spoti-Streams genährtes Spanferkel, energielos, erschlafft, mit Truckerbart und Adidas-Samba-Sneakern, und trägt einen siebenminütigen Song vor, der Antifa als eine Art edgy Lifestyle definiert, in schwarz-weiß-Optik und mit Streichern. Danach grüßt Danger Dan die Hammerbande, womit er natürlich einerseits ganz bewusst für einen Skandal sorgen will, andererseits aber auch zeigt, dass sich der Systemkünstler 2026 um jeden Preis in den Fiebertraum einer Résistance wähnen will, während ihm ZDF-Bühnen und Igor-Levit-Kooperation offen stehen. Spätestens aber, wenn die Normie-Kabarettisten der »Anstalt« dich zur Primetime für deine ach-so-provokante Kunst bejubeln, solltest du merken, dass du nicht subversiv und widerspenstig, sondern staatstragend und systemkonform bist. Natürlich ist die Ausladung Danger Dans aus dem ZDF dennoch völlig richtig und sein Skandalisierungspost auf Instagram völlig lächerlich. Ansonsten taugt »Keine Angst« aber nicht zum Skandal, sondern als Beispiel, wie sich die Linke zum Max-Uthoff-goutierten Fallobst gemacht hat. Danger Dan ist also ein eindrückliches Anschauungsbeispiel dafür, wie aus Antifa Staatsdoktrin und monetarisierbarer Lifestyle geworden sind, und was ich damit meine, wenn ich davon spreche, dass »die Mitte« und die Realität heute extrem links sind. In diesem ganzen Larp geht es, um eine Line aus dem Song auszugreifen, nur noch um Fame (und Virtue Signalling) – und gar nicht um »Straßenpolitik«. Dieses Verlangen nach Fame wird aber immerhin mit dramatischer Geigermimik unterlegt. Danger Dan dient (zweitens) auch als Anschauungsbeispiel für innerlinke kognitive Dissonanz: Er (und die Antilopen) traten immer maximal israelsolidarisch auf, und werden von der internationalistischen Linken gehasst. Im deutschen Kontext wollen sie sich aber als politische Mitte und Anti-Rechts-Ikonen stilisieren. Genau diese Mixtur erlaubt ein Andocken an den Mainstream, das Militanz popkulturkompatibel machen will, aber dabei noch die Restimpulse der systemerhaltenen Mitte befriedigt. Lachhaft. Was dieser Song und dieses Skandälchen ganz sicher nicht sind: mutig, ikonisch, subversiv. »Keine Angst« bedeutet eine Antifa, die als Stadtbeamte arbeitet, Leitmedien toll findet, eigentlich auch nur ein Eigenheim mit Webergrill will und den ZDF-Fernsehgarten toll findet. Danger Dan ist deshalb auf traurige Art und Weise Deutschland, auch wenn er das nicht merkt. In dieser geradezu lustigen Staatskunst wird Widerstand mit saturiertem Privileg verwechselt, während subkulturell jedem Jugendlichen klar werden dürfte, dass ein Besuch in Schnellroda, ein MMA-Cagefight, die Teilnahme bei der Migrantifa, ein Burschenschaftlerabend, eine Auswärtsfahrt beim Hochrisikospiel oder ein Bannerdrop bei der IB 50-mal rebellischer sind als diese schiefe BRD-Hymne, bei der in jeder Line sichtbar wird, wie sehr man dazugehören will. Wäre ich so etwas wie ein extrem linker Jugendlicher mit extrem linken Idealen, würde ich mir nach diesem Song und diesem »ZDF-Skandal« jede einzelne Pianotaste in die Fresse hauen. Und – angesichts der Tatsache, dass meine Subkultur zum System geworden ist – anfangen, zu heulen.
Jan A. Karon88,071 views • 2 days ago

Das ZDF hat eine vollkommen antijournalistische, bisweilen groteske Doku über den YouTuber Marcant veröffentlicht. Sie ist 27 Minuten lang und gleicht einer Mischung aus Heldenporträt und Biopic. Es ist dabei geradezu lachhaft, wie sehr die Macher verweigern, jedwede kritische Auseinandersetzung mit einem polarisierenden und dezidiert linken YouTuber zu wagen. Es gibt keine kritische Nachfrage, keine Gegenstimme, keine Konfrontation. Mitarbeiter mit Kamera bei Demos werden verpixelt und jede Aussage von Marcant ohne Einordnung wiedergegeben. Dafür wird der Rechte Michael Brück in der Bauchbinde (!) »Neonazi« genannt, was mEn in einer Bauchbinde eine völlig unzulässige Wertung ist. Teilnehmer von rechten Demos werden, mal wieder, unisono verallgemeinert, ohne sich die Mühe zu machen, diese zu begreifen oder mit ihnen auf Augenhöhe zu sprechen. Marcant wird dann wiederum beim Bowlen und bei einer Preisauszeichnung als honoriger Typ dargestellt, der zur Verbesserung der Gesellschaft beiträgt, und der – dann wird es besonders absurd – von irgendwelchen Omas als Paradebeispiel dafür genannt wird, dass mit Rechten endlich mal wieder gesprochen würde. Dieses Porträt ist ein absoluter Unfall.
Jan A. Karon172,553 views • 8 days ago

Die Gesprächsführung von Dunja Hayali im Interview mit Alice Weidel war unjournalistisch und zeugte erneut von handwerklichem Versagen. Statt aus Neugier auf den AfD-Parteitag und echten kritischen Nachfragen gespeist zu sein, folgte sie einem ideologischen Fragenkatalog, den eine links ausgerichtete Redaktion vorgegeben hatte – und den Hayali abgesegnet haben muss. Die ersten Fragen zu Wahlprozenten und Wiederwahlergebnissen von Weidel/Chrupalla waren schlicht irrelevant. Danach setzte Hayali zur üblichen »Rechtskeule« an, brachte Sellner, Höcke und Extremismus – und mischte eigene parteiische Wertungen (»Die Zuschreibung des Verfassungsschutzes ist richtig«, »die Opferrolle, gerne ein andermal«, Möller in einer Kontinuität mit Neonazis) mit Suggestivfragen. Das ist nicht nur wenig clever (weil es dem Gesprächspartner nichts entlockt), sondern verhindert von vornherein jedes echte Gespräch. Wichtige und naheliegende Fragen blieben hingegen komplett aus: Wie will die AfD trotz Mainstream-Ablehnung Gestaltungsmacht erlangen? Was plant sie in Ländern wie Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern? Wie steht es um die Ost-West-Konfliktlinien und die Brandmauer-Debatte? Wie will sie neue Wählergruppen erschließen? Stattdessen wirkte das Gespräch wie ein Tribunalversuch, dessen einziges Ziel es war, Weidel in die Defensive zu drängen und ihr Dinge in den Mund zu legen. Hayali würde ein derartiges Interview mit keinem anderen wiedergewählten Parteivorsitzenden führen. Das Ergebnis ist eine so offensichtlich voreingenommene Gesprächsführung, dass sie für kritische Zuschauern kaum Erkenntnis bringt, sondern vor allem Trotz erzeugt. Und: Es ist journalistisch extrem dünn, wie schon mehrfach bei Hayali.
Jan A. Karon298,648 views • 15 days ago

Ich bin late to the party, aber komme, immerhin verspätet, zu der Einsicht, dass ihr den VAR nicht genügend hasst und er den Sport zerstört. Kroatien dominiert in der zweiten Halbzeit des Sechzehntelfinales gegen Portugal nach Belieben, gerät in der Nachspielzeit (ungerechterweise) in Rückstand, kämpft sich aber erneut zurück und schießt ein Ausgleichstor, dass das gesamte Stadion in Ekstase versetzt. Jeder »eye check« und jede Video-Wiederholung des Ausgleichtreffers von Gvardiol muss dabei zu der Erkenntnis kommen, dass das Tor regulär ist, weil beim Kopfball von Matanovic de facto kein Kontakt zum Ball bestand und danach der Ball nochmal von einem Portugiesen gespielt wurde. Es meldet sich aber ein Videokeller, der in solch einer generischen Situation, der nicht mal eine eindeutige Fehlentscheidung zu Grunde lag, den Schiedsrichter zum Bildschirm ruft, um dann per Signal-Visualisierung einer transienten Welle zum Schluss zu kommen, dass Matanovic den Ball irgendwie mit Haarspitzen gestreift haben muss – und das Tor aberkannt wird. Als der Schiedsrichter seine Roboter-Entscheidung verkündet, ist das Spiel bereits mehrere Minuten unterbrochen, eine große Traube von Fußballern hat sich um ihn gebildet, um nur entweder euphorisch oder maximal enttäuscht darauf zu reagieren, weil jeder weiß, dass hier eine Technologie über Spielausgang entscheidet (und in diesem Fall sogar besonders verheerend, weil die Entscheidung falsch ist). Ich schwöre: Diese Technik und damit einhergehende Reformen machen Fußball kaputt. Ich habe dafür nur Hass übrig. (via ZDF)
Jan A. Karon150,563 views • 15 days ago

Die Empörung über das Singen der DDR-Hymne, deren erste Strophe Lothar de Maizière zu Wendezeiten noch in die Nationalhymne integrieren wollte ( halte ich für ziemlich lächerlich. Es ist Inbegriff einer Ostalgie, angestoßen von Steimle, Schlussnote eines schrägen Auftritts in Dessau, nicht verboten – einfach kein Aufreger. Die (zweideutigen) Äußerungen Steimles, wonach man Merkel an die Wand stellen könne und sie einsitzen werde, sind hingegen sehr wohl problematisch und unappetitlich, um es mal vorsichtig auszudrücken. Ebenso übrigens wie der wenig später folgende Stauffenberg-Verweis von Steimle hinsichtlich Merz, wobei der dümmste (und verräterischste) Teil für mich der Nebensatz »wenn man ihn mal braucht« ist. Steht für Steimle jetzt Merz in einer Reihe mit Hitler, weil das Bühnenprogramm den Joke brauchte? Dumm. Dazu sei auch gesagt, dass der Verweis darauf, dass Steimle Provokateur und Kabarettist ist, nicht wirklich zieht. Wenn Frank-Walter Steinmeier AfD-Wähler indirekt als Ratten dehumanisiert, es Ungeziefer-Vergleiche hagelt oder Jan Böhmermann (ebenfalls »Comedian«) Fahndungsplakate gegenüber Rechtslibertären veröffentlicht, ist die Empörung groß, völlig zu Recht. Es ist von »Mordaufrufen« die Rede. Aber gerade deshalb muss die AfD dieselben Standards an ihre Bühnen anlegen. Zudem muss sie – gerade intellektuell – einen höheren Anspruch an sich selbst haben, um nicht in ähnliche (wenn nicht sogar schlimmere) Rhetorik zu verfallen. Man sollte sich dabei auch ehrlich machen: Wenn solche Äußerungen wie die von Steimle in exakt dieser Form gegenüber Weidel, Chrupalla oder Höcke von einem linken Comedian im Beisein von zwei linken Politikern gefallen wären (was ich für absolut möglich halte), würde man sich hier extrem echauffieren. Klar, Steimle ist nicht Böhmermann und die Bühne in Dessau auch nicht das ZDF-Programm, aber diese Äußerungen sind völlig unnötige Angriffsfläche, ziemlich grenzdebil und sollten ohne wenn und aber abgelehnt werden. Die dritte – und entscheidende – Ebene ist für mich aber, dass ich diesen Tag medial verfolgt habe, und erneut zu der Erkenntnis komme, dass sich so gut wie niemand mehr die Mühe macht, Ostdeutschland halbwegs fair begegnen und begreifen zu wollen. Hier gibt es etliche Takes, die ein »Unrechtsregime«, »Schießbefehle« und die Stasikarteien ins Feld führen (die meisten übrigens von Westdeutschen), während anscheinend niemand begreift, dass die bundesrepublikanischen Regierungen, von Merkel, Merz und Ampel repräsentiert, für viele Menschen schon längst als Wiederkehr der DDR wahrgenommen werden: in Form einer Politik gegen das Volk, gegen die Arbeiter, gegen die eigenen Interessen; in Form von Realitätsleugnung und Beschönigung einer Jetztzeit, die von vielen als falsch und verkommen wahrgenommen wird. Dazu gehört eine oktroyierte Bundespolitik, die schlichtweg nicht mehr kongruent mit den Mehrheitsverhältnissen in Ostdeutschland ist; ein Festhalten an der Brandmauer und am Ausschluss der AfD von politischer Gestaltungsmacht; eine Weichenstellung für Überfremdung und den demografischen Umbau der Gesellschaft, den sich niemand ausgesucht hat; ein Staatsapparat, der repressiv gegen Kritiker vorgeht und mitunter als totalitär wahrgenommen wird; eine Entkopplung der politischen Klasse, die eine Sprache spricht, die (im Osten) keiner mehr versteht; und eine Außenpolitik, die viele Menschen nicht als ihre begreifen. Genau darauf sollte man, neben mEn notwendiger Auftrittskritik, seinen Fokus doch eigentlich legen, denn genau dies erklärt sehr gut, weshalb die DDR in der Wahrnehmung vieler eben nicht als das absolute Böse wahrgenommen wird; dass man sich mit »Auferstanden aus Ruinen« verbundener fühlt als wir hier auf X glauben; dass man Zeiten, in denen der Zusammenhalt und die Gemeinschaft noch was zu zählen scheinten, glorifiziert; und dass man sich in Dessau bei solchen Auftritten deutlich mehr abgeholt fühlt als in Leitartikeln von Wochenzeitungen und »Bericht aus Berlin«-Sendungen zur Primetime. Das mag einem in der Berliner Blase nicht schmecken, aber das ist die Wahrnehmung vieler im Osten. Das Negieren davon ist Teil des Problems. Für große Teile der Wähler in Ostdeutschland ist die heutige politische Klasse mit ihren Entscheidungen eine Art Neo-DDR geworden, die sich, auch das gehört zur Wahrheit, in ihrem Endstadium befindet, aber noch an Macht klammert. P.S.: Die DDR mit ihren Tante-Emma-Läden und satten Rapsfeldern kommt trotzdem nicht mehr zurück.
Jan A. Karon32,288 views • 4 days ago

»Ich habe damals alle Trends mitgemacht und jetzt habe ich eine sehr breite Audience«: Wer gestern, wie ich, nach dem Argentinien-Spiel der ARD treu blieb, kam in den Genuss des extrem bastardhaften Jetztzeit-Manifests »Money Maker« über den Fashion-Influencer Nic Kaufmann. Jetzt möchte ich lachend in eine Kreissäge rennen. Beendet mich, ernsthaft.
Jan A. Karon23,999 views • 3 days ago

Die Cinderella Story Norwegens endet im Viertelfinale gegen England. Aus meiner Sicht ein enttäuschendes Ausscheiden: Norwegen war die mindestens gleichwertige, eher bessere Mannschaft über 120 Minuten. Der VAR spielte, wie immer, eine entscheidende Rolle: Englands Ausgleichstreffer hätte nach dem Abstoß, der die Kamera traf, aberkannt werden müssen (da eine gänzlich neue Spielsituation enstand, die erst durch den Abpraller an der Kamera möglich wurde). Davon abgesehen wurde Heggems Tor zum 2:1 aber zu Recht aberkannt. Und der Elfmeter an Spence in der Nachspielzeit hätte zumindest gegeben werden können. Thomas Tuchel hat sich erst krass vercoacht (Eze und Saka für Rice und Madueke zur Halbzeit hat die ganze Statik Englands zum Schlechten verändern), dann aber mit James, Spence und Rogers auch die Einwechslungen getätigt, die das Spiel entschieden. Bemerkenswert, wie sowohl Kane als auch Haaland gänzlich abgemeldet waren. Jude Bellingham mit einer Masterclass, bei Norwegen war das Mittelfelddreieck mit Berg, Ödegaard und Berge speziell ab der zweiten Halbzeit bockstark. Bitteres Ausscheiden für Norwegen. Und dennoch: Diese Nationalmannschaft hat etwas Besonderes verkörpert – und gezeigt, dass sie mit 5,5 Millionen Einwohnern erst Brasilien ausschalten und dann England an den Rand der Niederlage bringen kann. Nichts als Respekt dafür.
Jan A. Karon53,405 views • 8 days ago

Wer verstehen will, weshalb der globalisierte Kapitalismus in einer Krise steckt und warum der Postliberalismus (sowohl von links wie auch von rechts) immer populärer wird, sollte sieben Jahre zurückgehen – und die Netflix-Doku »American Factory« anschauen. Die ist zwar nicht neu, aber es lohnt sich, den Film in Erinnerung zu rufen: Es geht um eine ehemalige General-Motors-Fabrik in Moraine, Ohio, die General Motors bereits 2008 schließen musste. Das chinesische Milliardärsunternehmen Fuyao Glass kauft das Unternehmen. Viele der ehemaligen amerikanischen Arbeiter werden wieder eingestellt, diesmal jedoch unter chinesischer Leitung, mit chinesischen Managern und chinesischen Kollegen, die aus China kommen. Anfangs sind die Arbeiter, oft aus bildungsfernen Schichten stammend, froh, wieder einen Job zu ergattern. Der chinesische Konzern bringt Geld und neue Arbeitsplätze in eine Region, die als strukturschwach gilt. Wenig später kommt es zum Kultur- und Systemkonflikt. Die chinesische Seite erwartet hohe Leistung, lange Arbeitszeiten, keinerlei Kritik und eine starke Identifikation mit dem Unternehmen. Die Amerikaner wollen stattdessen bessere Löhne, mehr Sicherheit, Pausen, gesundheitlichen Schutz und eine Gewerkschaftsvertretung. Zwischen der amerikanischen Arbeiterschicht und der chinesischen Vertretung entsteht eine tiefe Entfremdung, die zeigt, dass Völker der Welt bisweilen große Differenzen haben. Am Ende zeigt der Film Szenen, in denen Arbeiter desselben Konzerns geografisch getrennt leben und kaum noch Kontakt zueinander haben, und gänzlich andere Realitäten erfahren. Beide Seiten gehen als Verlierer hervor: Für die amerikanischen Arbeiter ist der »amerikanische Traum« vom guten Industrie-Job geplatzt, das zeigt der Film eindrucksvoll, sie leiden unter Lohndumping, hohem Leistungsdruck und starker Kontrolle. Die chinesischen Arbeiter hingegen schieben 12-Stunden-Schichten, haben teilweise nur einen freien Tag im Monat und leben in Firmenwohnheimen, häufig monatelang getrennt von ihren Familien. Die Eröffnung der US-Fabrik bringt ihnen keine Verbesserung, sondern ein Dasein als diffus gewordene »human working force«, tausende Kilometer von der Heimat entfernt, in einem soziokulturellen Umfeld, das nicht ihres ist. Zusätzlich droht beiden Seiten die Automatisierung: Schon während des Films werden Roboter angeschafft, die menschliche Arbeitskräfte ersetzen sollen. Und damit sind wir beim Kern der postliberalen Kritik: Der New-Age-Liberalism mit seinen globalisierten und digitalisierten Logik bejaht die uneingeschränkte Mobilität von Kapital und Arbeit, verkennt aber die berechtigten Sorgen der Arbeiter, die in diesen Logiken schlicht aufgefressen werden – von Konzernen, die immer häufiger Maßnahmen durchsetzen, die den Interessen der Arbeitnehmer zuwiderlaufen: Globale Kapitalmobilität, uneingeschränkter Freihandel und Effizienzdenken zerstören lokale Arbeitsplätze, Familien und Gemeinschaften.
Jan A. Karon40,460 views • 7 days ago

Die für mich verstörendste Szene dieses recht spröden Miosga-Abends: Die »Feminist Fight Club«-Aktivistin (und angehende Juristin) Theresia Crone fordert als eine Art Fazit der Sendung, dass »Mittäterschaft« bei Männern nicht rein strafrechtlich definiert werden sollte, sondern dann beginnen muss, wenn auf Partys ein starker Drink gemischt oder in der Jungenumkleide ein Witz über sexualisierte Gewalt gemacht wird. Und dass es eine Art Kultur der Ächtung an Universitäten und Schulen für solches Verhalten bräuchte. Hä? Bitte was?
Jan A. Karon480,791 views • 3 months ago

🔴 Aktuelle Situation Berliner Strasse in Zehlendorf: Würde sagen 60 Wagen von Malteser, DRK, ASB, Zivilschutz, Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei bereiten koordinierte Versorgung für Altersheime und Krankenhäuser vor. Stromausfall in Berliner Südwesten wird noch tagelang andauern. Evakuierungen und Notunterkünfte in Turnhallen und Schulen werden vorbereitet, heisst es hier. Diese seien aber wegen Schulferien vielerorts geschlossen und nicht beheizt. Nach wie vor Temperaturen am Gefrierpunkt und immer wieder Netzausfall.
Jan A. Karon823,258 views • 6 months ago

»Erfurt blieb weitgehend friedlich, ihr stürzt euch auf einen vereinzelten Angriff.« Dieser Take, den ich jetzt immer wieder und überall lese, könnte falscher nicht sein. Nichts an »Widersetzen« und den Leuten, die in Bussen nach Erfurt gekommen sind, ist friedlich. Wenn die Grünen oder die CDU einen Parteitag abhalten, braucht es 300 bis 700 Polizisten, um diesen zu sichern. Wenn die AfD einen Parteitag abhält, braucht es 5.000+ Polizisten aus mehreren Bundesländern, die Bundespolizei, Behelmung und Reiterstaffeln. Städte verwandeln sich dann in Fort Knox: Überall werden Metallgitter aufgebaut, Anreisewege müssen extra geplant und abgestimmt werden, es gibt detaillierte Einsatzkonzepte, und etliche Läden in der Stadt schließen in vorauseilendem Gehorsam über das Wochenende. Diese Einsätze kosten den Steuerzahler mehrere Hunderttausend Euro. Für die Polizisten bedeuten sie neben Mehrarbeit mitunter Einsatzlagen, in denen sie sich auf Angriffe einstellen müssen. So auch in Erfurt. Wenn AfD-Parteitage also so abgesichert werden wie Bundesliga-Hochrisikospiele (bisweilen mit noch deutlich mehr Polizisten), *dann* bleibt es halbwegs friedlich – wobei dennoch Straftaten passieren. Mal abgesehen von den eher banalen Straftatbeständen wie Landfriedensbruch oder Sachbeschädigungen ist dabei auch vollkommen klar, was passieren würde, wenn ein AfD-Parteitag nur von ein paar hundert Polizisten geschützt würde und die Delegierten privat anreisen müssten, womöglich sogar allein und zu Fuß: Es käme zu massiven Übergriffen und teilweise lynchmob-ähnlichen Zuständen. Ich erinnere mich noch heute daran, wie in Gießen bei der Gründung der »Generation Deutschland« drei AfD-Politiker von zwei Dutzend Polizisten abgeschirmt und über mehr als zwei Stunden geschützt werden mussten, weil die Antifa sie in einem Parkareal identifiziert hatte. Um sie herum entstand ein entfesselter Mob, der nur darauf wartete, dass endlich etwas passiert. Diese Szenen fangen aus meiner Sicht vielmehr den wahren Charakter dieser »friedlichen Proteste« ein: Wenn sie nur könnten, wie sie wollten – und der Staat nicht alles in Gang setzen würde, um eine Eskalation zu verhindern – würden sie *natürlich* Politiker (oder Journalisten mit falscher Gesinnung) aus einer Gruppe heraus angreifen. Deshalb ist es (leider) auch nicht überraschend, dass es zu dem Angriff auf »Apollo News« gekommen ist, sondern war traurigerweise vorhersehbar. Man sollte sich davor hüten, diesen Protesten einen peacy Anstrich zu geben, weil Erfurt für drei Tag in ein Hochsicherheitsgebiet verwandelt wurde und ein riesiges Polizeiaufgebot Schlimmeres verhinderte. Aus meiner Perspektive sind diese Proteste aber keinesfalls friedlich.
Jan A. Karon59,348 views • 15 days ago

Ich kann das schon wieder kaum fassen, weil das so absurd ist, dass es einen komplett fertig macht: Drei Monate, nachdem ich schrieb, dass die journalistische Nachwuchshoffnung und Influencerin Carlott Bru ihren Liebeskummer und Trennungsschmerz (mitsamt etlichen Heulkrämpfen) im Sinne der Selbstvermarktung auf geradezu perverse Art und Weise kommodifiziert, wirbt genau jene Carlott Bru … jetzt … im Rahmen einer bezahlten Partnerschaft … für … Tinder, also: die Hook-Up-Culture-Plattform schlechtin – und größte Dating-App der Welt. Das ist alles so absurd, merkt das keiner außer mir? (P.S.: Ich bin Löwe und habe, trotz »offener wilder Energie«, kein Interesse.) (via Anton Rainer.bsky.social:
Jan A. Karon89,053 views • 24 days ago

Im ZDF läuft heute zur Primetime der Film »Eine bessere Welt« über Hass im Netz gegen eine Wissenschaftlerin, die mit migrantischem Mann liiert ist und als grüne Idealistin beschrieben wird, und die wegen eines Talkshowauftritts zur Zielscheibe von Rechten wird. Im Film spielt Dunja Hayali Dunja Hayali, außerdem hat Kayla Shyx (bekannt aus dem Rammstein/Lindemann-Komplex) eine Rolle, mehrfach wird für HateAid geworben und in beratender Funktion trat Mobilitätsexpertin Katja Diehl auf. 😍
Jan A. Karon417,086 views • 3 months ago

Weil es so absurd ist, dass ich es selbst kaum glauben kann: Wegen dieser Äußerungen in der ZDF-Doku »System Bürgergeld: Leben ohne Leistung?« von Sarah Tacke (die übrigens sehr sehenswert ist: hat der Jobcenter-Mitarbeiter Fred Göcken aus Bremen seinen Job verloren. In dem Film berichtet Göcken, dass zwischen 30 und 40 Prozent der Bürgergeldempfänger unwahre Angaben in ihren Anträgen machen. Dies sei unter den Mitarbeitern »ein offenes Geheimnis«. Der Mann kritisiert außerdem die Geldausgabepraxis des Jobcenters, das sich durch diese Aussagen, so berichtet es die FAZ, »diffamiert« sieht. Aus meiner Sicht ist eine die Entlassung ein Skandal. Göcken schildert im Interview (das ist für jeden ersichtlich) aus erster Hand seine Beobachtungen im Berufsalltag; seine Äußerungen sind weder emotional aufgeladen noch hetzerisch, sie schwärzen auch keine Privatpersonen an und sie beruhen auf langjähriger Berufserfahrung, aus der sich eine gewisse Expertise ableitet. Sie stehen auch nicht isoliert da: Jobcenter-Mitarbeiter in ganz Deutschland berichten, oft nur hinter vorgehaltener Hand, von ganz ähnlichen Zuständen in ihren Behörden. Gerade in einer Stadt wie Bremen darf man davon ausgehen, dass Betrug unter Bürgergeldempfängern kein Nischenphänomen ist und sich hier tatsächlich ein System verselbstständigt hat. Dass er in seiner Sprecherposition erstmals subjektiv ist – und nicht für die Behörde spricht –, rechtfertigt doch keinen Rauswurf. Auch das Argument, Göcken habe das Interview mit seinem Arbeitgeber nicht abgesprochen, überzeugt mich nicht. Wenn staatliche Behörden am Ende zu Gatekeepern werden und darüber entscheiden, ob ihre Mitarbeiter mit freien Journalisten sprechen dürfen, was sie über Missstände erzählen dürfen und was nicht, – dann spricht am Ende niemand mehr offen über Verfehlungen. Und dann verlieren Schilderungen aus erster Hand ihre Überzeugungskraft, weil Journalisten nur noch anonymisierte Whistleblower hinter Schattenwänden mit verfremdeten Stimmen zeigen können, aber keine echten Menschen. Dieses Problem gibt es bereits bei der Polizei, wo Beamte nur über legitimierte Sprecher zu Wort kommen, selbst aber so gut wie nie subjektiv aus ihrem Berufsalltag und ihren Wahrnehmungen berichten dürfen, obwohl sie gerne wollten. In jedem Fall sollten Journalisten kein Interesse haben, dass solche Exempel statuiert werden. Dass jemand nun seinen Job verliert, weil er Missstände öffentlicht anprangert, zementiert ein Selbstverständnis als Volks- und Beamtenerziehungsapparat im Staat. Auf Dauer wird jene Menschensicht jedoch genau das Gegenteil bewirken, weil es schlicht zu viele Beamte gibt, die Göckens Äußerungen uneingeschränkt teilen. Rein menschlich bleibt aber eine Riesensauerei, einen langjährigen Mitarbeiter wegen dieses (nicht einmal sonderlich kontroversen) Interviews zu entlassen.
Jan A. Karon145,155 views • 1 month ago

Völlig dystopisch: Nach dem Stromausfall fährt die Polizei durch das menschenleere, stockfinstere und zugeschneite Berlin-Nikolassee und teilt per Lautsprecher mit, man solle für die Abendstunden batteriebetriebene Leuchten und Taschenlampen bereithalten. So gut wie die ganze Bewohnerschaft hat das Viertel zu dem Zeitpunkt schon verlassen. Szenen wie aus dieser Blackout-Serie, aber real. NIUS
Jan A. Karon651,278 views • 6 months ago
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In #Belfast hat ein sudanesischer Migrant versucht, einem Einheimischen auf offener Straße den Kopf abzutrennen. Dieser Enthauptungsversuch wurde auf Video festgehalten und geht seither viral. Morgen früh aber wird #Belfast nicht wegen dieses Enthauptungsversuchs in Medien rezipiert werden. Sondern, weil Vermummte als Reaktionen darauf am Dienstag auf die Straßen der nordirischen Hauptstadt gingen und Autos sowie staatlich finanzierte Asylbewerberunterkünfte (HMOs) in Flammen setzten. Dafür werden sich, so meine Vorhersage, Mainstream-Medien eher interessieren, als für das bestialische Delikt, das dem zu Grunde liegt. Ich werde Gewalt, zumal sie nun Unschuldige trifft, nicht verteidigen. Sie gilt es zu verurteilen. Dennoch lohnt es sich, eine Art Anti-Framing-Manual für Journalisten und Politiker zu verfassen, die sich morgen für den Fall interessieren werden: • »Rechtsextreme setzen Asylbewerberunterkünfte in Flammen« ist keine legitime Headline, wenn man zuvor nicht über den Fall berichtet hat, der alles ins Rollen brachte oder ihn nur beiläufig erwähnt. • »Eingereister Asylbewerber aus Afrika versucht, Nordiren auf offener Straße zu köpfen« sollte deshalb die dominierende (und logische) Schlagzeile sein. Ohne das erste Phänomen gibt es das zweite nicht. Und ersteres ist das eigentliche Problem. Danach darf (und sollte) man auf die Gegenreaktion eingehen. • Medien, die nun (gewaltvolle und politische) Reaktionen von rechts problematisieren und in den Mittelpunkt ihrer Berichterstattung stellen, ohne auf das erste Phänomen zu sprechen zu kommen, sind nicht ernst zu nehmen. Sie manipulieren und betreiben Framing. • Folgerichtig darf die anleitende Frage eines kritisches Reporters NICHT sein: Wie kann es sein, dass nun Vermummte auf die Straße gehen und eskalieren? Sondern: Wie kann es sein, dass in Europa Sudanesen einreisen und Nordiren auf offener Straße enthaupten? Was macht das mit der Bevölkerung? Was ging schief? Wie sieht es mit Schutz und Gegenwehr aus? Leitsatz: Kenne Ursache und kenne Wirkung. Vertausche sie nicht. • Der Sudanese, der versucht, einen Menschen zu enthaupten, sollte nicht als »knife incident«, also Messerdelikt, geframt werden, sondern als bestialischer Mordversuch. • Dies nicht als das zu benennen, was es ist, gleicht Beschönigung und bewusster Irreführung. Die Rohheit, die sich in Belfast zeigte, ist keineswegs als »normal« oder »gab es schon immer« hinzunehmen, sondern Ergebnis der Migration aus Dritter Welt. Sie gab es schlicht nicht immer und sie ist in Opfer-Täter-Konstellationen fast immer identisch – (die Frage, was los wäre, wenn ein weißer Nordire einen Sudanesen auf offener Straße fast enthaupten würde, erspare ich euch.) • Der sudanesische Täter reiste als Asylbewerber über Paris und Dublin nach Nordirland ein. Dieser Vorgang (in Kombination mit dem bestalischen Mordversuch später) markiert somit politisches Versagen. Dies gilt es zu benennen. Hinter diesen Gewaltdelikten stecken politische Entscheidungen. Dafür sollten politische Entscheidungsträger Rechenschaft ablegen – gleiches gilt für Deutschland und die Migrationspolitik hierzulande. • Ohnehin gilt: Solche Gewaltldeikte geschehen nicht im luftleeren Raum, und ich weigere mich hinzunehmen, dass man darüber spricht, als seien es Polizeimeldungen aus der Lokalpresse. Es sind keine »Einzelfälle« – und auch auch gewiss nicht »Panorama« oder »lokale Kriminalität«. Der Fall ist politisch – ebenso wie die Tötungen von Mia, Maria, Liana oder you name it in Deutschland. • Vor einem Jahr, im Juni 2025, kam es in Irland bereits zu schweren Ausschreitungen in Ballymena. Damals wurde ein minderjähriges Mädchen von eingewanderten Roma gruppenvergewaltigt. Auch danach kam es zu mehreren schweren Gewaltdelikten von Zuwanderern in Nordirland. Das bedeutet: Belfast ist kein losgelöster Fall, sondern Kontinuität. • A propos Kontinuität: Henry Nowak, Southport, Grooming Gangs, two-tier policing, Terroranschläge in Manchester und London, knife crime, etliche Fälle, über die ich hier wiederholt geschrieben haben: Die Gewalt von Zugewanderten in UK gegenüber Einheimischen in UK ist außer Kontrolle. Das Problem ist virulent und für jeden sichtbar, der die Augen aufmachen will. Die politische Elite verweigert, das Problem anzuerkennen oder zu addressieren. Dass die Reaktionen heute so ausfallen, wie sie ausfallen, liegt auch daran, dass sich inzwischen Verzweiflung und Schutzlosigkeit breit macht. • Gewalt, zumal sie nun Unschuldige trifft, ist nicht entschuldbar. Sie gilt es zu verurteilen.
Jan A. Karon110,446 views • 1 month ago

Die Frage, die ich mir im Zusammenhang mit der neuen Haftbefehl-Doku stelle, ist folgende: Der größte Influencer einer ganzen Generation von muslimischen Jugendlichen ist binnen Monaten zum kokaininduzierten Pflegefall geworden, der von seinem Bruder in ein Heim in der Türkei eingesperrt werden musste, weil er sich die Nasenscheidewand ausgeräuchert hat. Wenn das größte Rolemodel der Generation Allah neben Giga-Stardom buchstäblich alles verkörpert, was schlecht ist – also Junkie wird, körperliches Wrack, abwesender Vater und Ehemann sowie die ganzheitliche Glorifizierung eines kriminellen Lifestyle-Entwurfs –, und ihm zeitgleich Millionen Jugendliche nacheifern, was sagt das über unsere Gesellschaft? Und die nachfolgende Generation?
Jan A. Karon566,897 views • 8 months ago

🔴 In Hamburg kassiert die afghanische Familie B. mit fünf Kindern 6.700 Euro Bürgergeld monatlich . Zeitgleich arbeitet das Familienoberhaupt in einem florierenden Supermarkt, der Lebensmittel aus dem Orient verkauft. Der Sohn flext mir schnellen Autos, dicken Uhren und Pferdeausflügen auf Social Media. Ohnehin fällt auf: Die Bürgergeldempfänger leben in einer abgeschotteten Großfamilien-Community, sprechen nach Jahren kein Deutsch. Und: Die Rolle von »fördern und wohnen«, einer stadteigenen Gesellschaft, wirft Fragen auf: Diese kassiert 5.100 Euro im Monat für die Unterbringung der Migranten in provisorischen Modulcontainerwohnungen. Verdient hier über Umwege die Asylindustrie? Recherche mit Björn Harms.
Jan A. Karon742,838 views • 11 months ago

Habe heute zwei Stunden im Seniorenheim König in Berlin-Nikolassee verbracht und mit Menschen vor Ort gesprochen. Dort zeigte sich eine absolut desolate Situation: Seit vier Tagen harren 84 Bewohner, darunter etliche Palliativpatienten und Senioren mit Pflegegrad 4 und 5 sowie viele demente Menschen, bei 16 Grad Raumtemperatur aus. Zwischenzeitlich lief eine demente Bewohnerin in die Kälte und musste eingefangen werden. Der Strom reicht dabei gerade so, um Kaffee zu kochen und die Räume zu beheizen – und das nur, weil die Leitung selbst einen Generator besorgt hat. Ohne ihn wäre die Lage noch katastrophaler. Man sei seit Samstagmorgen 6:00 Uhr im Dauereinsatz, Tag und Nacht, wurde mir erzählt. Die Mitarbeiter arbeiten mit Taschenlampen um den Hals und schleppen teilweise die Bewohner, da der Fahrstuhl stillsteht. Keine Notrufanlage, kein Licht in den Fluren. Die Menschen saßen mitunter abends bei Kerzenschein am Tisch. Die Belegschaft stemmt derweil das Unmögliche: Elektrische Betten lassen sich nicht verstellen, also müssen Pfleger die Bewohner mittels eigener Kraft verrücken. Ernährungspumpen wurden von Mitarbeitern nach Hause genommen, um sie aufzuladen, und am nächsten Tag wieder mitgebracht. Seit Tagen fährt das Team in die Stadt, um die Wäsche im Waschsalon zu reinigen. Der kleine Generator vom THW, der am Sonntag kam, muss alle zwei Stunden bei Minusgraden im Garten mit Benzin befüllt werden. Zudem wurde mir geschildert, dass die Kommunikation zwischen Feuerwehr, THW und Politik partout nicht funktioniere. Niemand wisse, an welchem Anschlusspunkt des Stromnetzes das Heim sei. Anrufe um Hilfe blieben über mehrere Tage folgenlos, bis dem Heim die Evakuierung drohte. Man habe vier Tage aus eigener Kraft gestemmt, ohne Hilfe zu erfahren, teils mit schlaflosen Nächten. Es fehle Priorisierung, und immer wieder werde das Problem an die nächste Ebene delegiert – ohne dass am Ende etwas passiert. Eigentlich sagte Oberbürgermeister Kai Wegner (CDU), man habe Sorge getragen, dass alle 74 Pflegeheime im betroffenen Gebiet mit Strom versorgt werden. Wegner hat insofern Recht, als dass das Pflegeheim in Nikolassee Strom hatte. Doch dieser wird aus Notgeneratoren gewonnen, reicht gerade so, und die Gesamtsituation ist für alle Beteiligten eine absolute Zumutung. Immerhin kamen heute, nach vier Tagen, Hilfskräfte des THW und sorgten für zumindest etwas Abhilfe. Aber dennoch: absolut erschreckende Zustände, und das bei denjenigen, für die unsere Gesellschaft eigentlich vorrangig Sorge tragen muss.
Jan A. Karon407,008 views • 6 months ago

Das ist ein wenig lustig: Die Redaktion von »Monitor«/WDR hat sich auf die Suche nach Rechtsextremen im Fußballstadion gemacht (die es sicherlich gibt) und im Beitrag ein Banner von Rot-Weiß Essen skandalisiert, auf dem steht: »Wie einst der Opa – mit dir durch Europa«. Dies wertete die Redaktion unter Berufung auf einen Kronzeugen als Beleg für eine Nähe der Essener Fans zum Nationalsozialismus, weil damit ja die Wehrmacht gemeint sein müsste. Die (sehr viel simplere) Wahrheit: RW Essen hisste das Banner beim Testspiel gegen Hibernian Edinburgh aus Schottland. Die beiden Vereine trafen das letzte Mal in den 50er-Jahren aufeinander, genauer gesagt: in der Champions League in der Saison 1955/1956. Darauf nahmen die Fans Bezug. Zudem gibt es in der Essener Kurve, wenn ich das richtig verstehe, eine kultige Bezugnahme auf »Opa Luscheskowski«, einen fiktiven Fan, der bei jedem Heimspiel besungen wird (»Oh Opa Luscheskowski, wo bist du nur geblieben, du kennst den Rot-Weiss Essen schon seit 1907, du warst bei jedem Spiel, nur einmal warst du krank, Oh Opa Luscheskowski, wir schulden dir noch Dank«).
Jan A. Karon127,664 views • 2 months ago